Handeln statt hadern — Emiliano Chaimite

Populistisch, angstschürend, ausgrenzend: Für Emiliano Chaimite ist das Leben in Dresden von diesen Eindrücken geprägt – Anfeindungen erlebt er hier seit Jahrzehnten. Und genauso lang ist er in diesem Klima politisch aktiv. Warum?
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Text: Demba Sanoh — Foto: Benjamin Jenak

„Europa ist in Afrika eine Marke.“ Auf der Suche nach dieser kam Emiliano Chaimite 1986 aus Mosambik in die DDR. Im sozialistischen Bruderstaat begann er in einer Gießerei zu arbeiten. Seit 1991 ist er Krankenpfleger in einer Dresdner Klinik: „Ich wollte mich dankbar zeigen und bin geblieben“, sagt er. Es ist eine Dankbarkeit, die sich vor allem in seinem Engagement niederschlägt: Chaimite ist Kommunalpolitiker der SPD, im Vorstand mehrerer Vereine und Mitglied bei Verdi. Die gebliebene Verbundenheit ist nicht immer einfach nachzuvollziehen.

Denn Anfeindungen erlebt Emiliano Chaimite schon immer – vor der Einheit gepaart mit zurückhaltender Ausgrenzung: „Rassismus war damals nicht so offensichtlich, weil es keine Meinungsfreiheit gab. Wir konnten das nicht einschätzen und haben es für bare Münze genommen, wenn uns gesagt wurde, dass die Menschen in Deutschland nicht rassistisch sind.“ Dresden wurde trotz allem sein Zuhause, hier trat er auch der Sozialdemokratie bei – entgegen seiner Vorbehalte. Gerade Menschen mit Migrationsgeschichte würden sich oft ein und dieselbe Frage stellen, so der Mittfünfziger: „Ist das eine Partei, die meine Interessen vertritt?“ In seinem Dresdner Unterbezirksvorstand zumindest rührt sich langsam etwas, mit Diskussionen aber stünden sie noch am Anfang. Ein Grund für ihn, weiterzumachen.

Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd in den USA gingen auch in Deutschland Zehntausende auf die Straßen, um gegen Rassismus zu protestieren. Mit Black Lives Matter haben sich Schwarze Menschen ihr ganz eigenes Podium errichtet, um Erfahrungen und Probleme mit der großen Öffentlichkeit zu teilen. Gesprochen haben sie auch schon davor, nur hat die weiße Mehrheit eben nur selten zugehört. Schwarze Menschen bleiben meist unsichtbar und haben mit Anfeindungen zu kämpfen. Also mischen sie sich ein, um endlich mitbestimmen und in einer anderen, vor allem offeneren Gesellschaft leben zu können.

Dieser Text erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe des Veto Magazins: www.veto-mag.de/shop. Unsere Botschaft an alle Gleichgesinnten: Ihr seid nicht allein!

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