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Veto zum Dritten

Sicherheit: ein Begriff, irgendwo zwischen konservativer Maxime und ordnungspolitischer Doktrin. Einer, der unser Zusammenleben prägt. Und auch einer, der so manche wehmütig werden und an das Vergangene zurückdenken lässt. Haben wir Vertrauen in die Sicherheit und trauen wir uns, dieses gelegentlich in Frage zu stellen? Überschätzen wir nicht unseren eigenen Einsatz für die Sicherheit anderer, für jene also, die nicht immer sicher sind? Widersprechen wir nicht, weil wir uns machtlos fühlen, Bedrohungen hinnehmen, uns wegducken und auf ein Einschreiten hoffen?

Und wie gehen wir mit Fragen von Sicherheit um, die aus dem definitorischen Raster fallen? Mit Fragen, die für andere Menschen Unsicherheit bedeuten. Fragen, die uns als Gesellschaft in ein moralisches Dilemma bringen, weil wir offenbar nicht allen den Schutz bieten können, der auch Sicherheit verspricht. Was etwa ist mit Drogenkonsum? Oder: Sich sicher fühlen im Umgang mit der eigenen Sexualität. Sicher sein vor Gewalt. Und sind wir sicher, einverstanden zu sein, dass andere für ihre Sicherheit kämpfen – zur Not mit Fäusten? Was eigentlich ist heute noch sicher?

Titel: (Un)Sicherheit

Es ist kompliziert. Der Befund, mit dem früher ein unklarer Beziehungsstatus definiert wurde, hat heute eine ganz neue Dimension bekommen. In diesen Zeiten beschreibt er quasi den gesamten Zustand der Welt.

Nichts ist einfach — 12

Der gesellschaftliche Wandel verändert uns alle. Lange verschwunden ist die Sicherheit des Altbekannten. Das ist für viele Menschen eine Zumutung. Aber auch Notwendigkeit. Eine Annäherung – und ein Anruf bei Max Czollek.

Schwarzes Deutschland — 16

Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd in den USA gingen auch in Deutschland Zehntausende auf die Straßen, um gegen Rassismus zu protestieren. Mit Black Lives Matter haben sich Schwarze Menschen ihr eigenes Podium errichtet, um Erfahrungen und Probleme mit der großen Öffentlichkeit zu teilen. Gesprochen haben sie auch schon davor, nur hat die weiße Mehrheit selten zugehört. Schwarze Menschen bleiben meist unsichtbar und haben mit Anfeindungen zu kämpfen. Also mischen sie sich ein, um endlich mitbestimmen und in einer anderen, vor allem offeneren Gesellschaft leben zu können. Eine unvollständige Auswahl.

Linker Haken — 34

Immer mehr militante Rechtsextreme tummeln sich im Kampfsport. Auf dem Land in Mecklenburg-Vorpommern ist ein linker Gegenentwurf entstanden. In Neubrandenburg wehren sie sich nicht nur gegen Neonazis, sondern auch gegen stumpfe Klischees.

Rollende Paragraphen — 40

In Köln und Umland beraten Jura- Studierende Geflüchtete ehrenamtlich bei Rechtsfragen. Auch sie bekommen die dauernde Polarisierung beim Thema Asyl zu spüren. Die Zahl der Mitwirkenden wächst dennoch.

VEranTwOrtung — 44

Sookee ist queerfeministische Antifaschistin, Musikerin und Mutter. Sie ist Fan von gegenseitiger Sichtbarmachung und Rotationsprinzipien. Mit ihrem Kindermusikprojekt „Sukini“ kümmert sie sich vor allem um die jungen Ohren in der Gesellschaft. Für Veto schreibt sie die Kolumne

Druck — 46

Die Zahl der Drogentoten steigt. 2019 starben 1 398 Menschen am Konsum illegaler Substanzen. Viele glauben, dieses Problem allein über Verbote regeln zu können. Drogenkonsumräume bleiben in Deutschland also eine Ausnahme, werden sie ideologisch mit einem Freifahrtschein gleichgesetzt. Dabei bieten sie vor allem eines: Schutz. Ein Besuch.

Menstruations-Marketerin — 52

Mit Anfang 30 stellte Cordelia Röders-Arnold ihre Karriere auf den Kopf. Von einem Großkonzern wechselte sie zum Kondom-Startup Einhorn, um dort einen neuen Geschäftszweig aufzubauen. Neben ihrer Leidenschaft für Medien und Marketing entdeckte sie ihre Passion für Menstruation.

Straßenprotest — 56

Die Welt erlebt mit Fridays for Future und Black Lives Matter zwei globale Bewegungen. Angeführt werden die Proteste oft von jungen Frauen, die eine andere politische Agenda fordern. Clara Mayer und Menina Morenike Ugwuoke sind ein Teil davon und stehen für eine progressive Wende, kämpfen aber an verschiedenen Fronten. Was trennt und was eint sie? Ein Kennenlernen.

Im Namen des Volkes — 64

Aufklärung, das haben sich in Deutschland gleich mehrere Initiativen auf die Fahnen geschrieben, die sich um Rassismus, Polizeigewalt und staatliche Willkür kümmern. Einige arbeiten schon jahrelang an der Aufhellung des Dunkelfelds in Gerichtssälen, Parlamenten und Polizeiwachen. Andere stehen noch am Anfang. Was alle eint: Sie geben nicht auf.

Ansichtssache — 70

Die Debatte über Rassismus in Deutschland ist für viele unbequem. Immer wieder bricht sie neu auf und verschwindet wieder. In ihren Comics erzählen Hong Le und Soufeina Hamed davon – von ihrem Alltag, von Anfeindungen und überwunden geglaubten Problemen. Ein Gespräch in Bildern.

Diddlland — 76

Tarik Tesfu ist Moderator, Kolumnist und Gutmensch. In seiner Arbeit setzt er sich für die Gleichberechtigung aller Geschlechter ein. Er positioniert sich gegen Rassismus, Sexismus und Queerfeindlichkeit. Tarik feiert WLAN, Snickers-Eis und Destiny’s Child. Für Veto schreibt er die Kolumne

A wie ausgeschlossen — 78

Keinen oder nur wenig Sex zu haben, halten viele für ein No-Go, suggerieren doch Medien, TV oder die Werbung, wie essentiell diese Art der Intimität mit anderen für das eigene Wohlbefinden sei. Auch deshalb bleibt Asexualität schambehaftet und ein unterbelichtetes Thema. Eine Spurensuche.

Macht der Bilder — 84

Rechtsextreme Kräfte sind in der Oberlausitz schon seit den Neunzigern ein Problem. Heute scheint die AfD in den ländlichen Regionen im Osten das politische Kommando übernommen zu haben. In Zeiten der Corona-Pandemie verfestigt sich außerdem die Erzählung der widerständigen Ostdeutschen. Die Initiative „Augen auf“ hält seit Jahrzehnten dagegen.

Verdrängte Ängste — 88

Klischees von Männern als das starke Geschlecht halten sich hartnäckig. Dass auch sie Opfer von Gewalt werden, passt nicht ins Bild. Doch die Zahl der Hilfsangebote wächst: von Beratungen bis hin zum Zufluchtsort.

“Leugnung ist keine Meinung” — 94

Die Journalistin Melina Borčak über eine nachlässige Auslandsberichterstattung und die Frage, was Veganismus und Diversität in Redaktionen gemeinsam haben.

Veto ist das neue Print-Magazin, das die Engagierten im Land in den Fokus der Berichterstattung rückt. Veto ist ein gedrucktes Heft, aber auch eine Plattform für all jene, die sich auf den Weg gemacht haben, die unsere offene Gesellschaft verteidigen. Viermal im Jahr und jeweils auf 100 Seiten stellen wir Engagierte, deren Arbeit, Aktionen, Ideale vor – und regen Debatten an. Die Botschaft an alle Gleichgesinnten: Ihr seid nicht allein!