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Zum siebten Mal

Verstehen wir immer genau, wie die Welt um uns herum funktioniert – ganz egal, ob im Großen oder im Kleinen? Und wollen wir das überhaupt: Themen durchdringen? Bemühen wir uns denn auch wirklich darum, Zusammenhänge zu begreifen, Begrifflichkeiten zu überblicken? Lassen wir uns auf andere Perspektiven ein? Oder begnügen wir uns doch immer wieder damit, mit oberflächlichem Wissen in Diskussionen einzusteigen, weil wir inmitten des Alltagsstresses ja gar keine Zeit finden, uns mit aufwändigen Fragen zu beschäftigen?

Haben wir Verständnis für die Situation anderer? Können wir nachempfinden, uns einfühlen – oder versuchen wir es zumindest? Wissen wir denn etwa, wie Hartz-IV-Empfangende unter Sanktionen leiden? Haben wir uns schonmal gefragt, ob und wo Menschen mit pädophilen Neigungen Hilfe finden? Und können wir annähernd nachvollziehen, wie unsere Gesellschaft mit all jenen umgeht, die jüdisch oder muslimisch leben oder queer sind? Hören wir die immer noch ignorierten Stimmen migrantisierter Personen? Bewegt uns das eigentlich oder halten wir es doch eher von uns fern?

Unbekannte Einblicke

Tadatata: zum siebten Mal Veto. Und wieder sind es 100 Seiten geworden, die gelesen werden wollen. Wir möchten auf Themen schauen, die sonst nicht die mediale Bühne bekommen. Themen, die selten in ihrer Komplexität abgebildet werden.

Freiheitssuchend — 12

Zuher Jazmati klärt in seiner Arbeit über rechte Gewalt auf, er spricht über Queerfeindlichkeit und Rassismus – Aktivist aber will er nicht (mehr) sein. Was es bedeutet, wenn das eigene Leben politisch ist.

Rütteln am System — 20

Helena Steinhaus und der Verein Sanktionsfrei helfen Menschen, denen das Jobcenter Hartz-IVLeistungen gekürzt hat. Mit kostenlosem juristischen Beistand – und mit Geld.

Angst vor sich selbst — 26

Sexuelle Präferenzstörungen wie Pädo- und Hebephilie sind ein Tabu. Viele Betroffene aber suchen sich Hilfe, um ihre Neigung nicht auszuleben und ein akzeptierter Teil der Gesellschaft zu werden. Eine Annäherung.

Ost-Erzählungen — 30

AfD-Hochburgen, Heimat von Pegida und rechtsextreme Gewalttaten: Im Superwahljahr geht die öffentliche Auseinandersetzung zum Osten, der medial so gerne exotisiert wird, weiter. Was ist dran? Ein Stimmenfang zum Ostdeutsch-Sein, blinden Flecken in der Debatte und Selbstermächtigung.

In der Sackgasse — 38

In Deutschland sind immer noch viele Menschen auf das Auto angewiesen oder vom öffentlichen Verkehr ausgeschlossen. Katja Diehl hört ihnen zu und hat konkrete Ideen, um Mobilität in Zukunft gerechter zu machen.

Heimlich Leistungssportlerin — 42

Auf dem Bolzplatz kickte Tuğba Tekkal mit den Jungs – gegen die Regeln ihrer Eltern. Auf ihrem Weg in die Erste Bundesliga erfuhr sie täglich Rassismus, aber auch das Gefühl von zunehmender Freiheit. Das gibt sie jetzt zurück.

Sammeln und Spielen — 50

Was auf dem Schulhof das Pokémon-Sammelkartenspiel war oder das Stickeralbum mit den Fußballerbildchen, das ist heute unser Aktivismus-Quartett. Denn Veto steigt ins Spiele-Business ein. Wurde aber auch Zeit, werdet ihr jetzt denken. Stimmt ja auch! Denn was fehlte lange auf dem Markt? Ein Quartettspiel, das all die aktivistischen Gruppen im Land vereint. Oder sagen wir besser: viele. Denn wir haben bestimmt auch ein paar vergessen, die euch aber total wichtig gewesen wären. Habt ihr denn schon irgendwas Vergleichbares gesehen? Nein? Wir auch nicht. PS: Teil 1 und 2 des Quartetts findet ihr übrigens in den letzten beiden Ausgaben.

VEranTwOrtung — 56

Sookee ist queerfeministische Antifaschistin, Musikerin und Mutter. Sie ist Fan von gegenseitiger Sichtbarmachung und Rotationsprinzipien. Mit ihrem Kindermusikprojekt „Sukini” kümmert sie sich vor allem um die jungen Ohren in der Gesellschaft. Für Veto schreibt sie die Kolumne

Große Kunst — 58

Kunst und Kultur müssen den schwierigen Spagat schaffen, das Erbe zu bewahren, dabei aber nicht den Blick für sich verändernde gesellschaftliche Realitäten zu verlieren. Wie kann das gelingen? Und dürfen Museen politisch sein? Die hitzigen Debatten darum laufen schon seit Jahrzehnten, lange unter großen Widerständen. Veränderung passiert, wenn auch nur langsam. Zu Gast bei Kulturarbeiterin Aurora Rodonò und Kuratorin Silvia Gaetti.

Geld, Gier und Gift — 66

Einen Systemwechsel in der Finanzbranche, den strebt der ehemalige Grünen-Parlamentarier Gerhard Schick an und formiert eine Bewegung um sich. Banken, Versicherungen und Co. sollen sich in den Dienst der Menschen stellen und mit ihren Geschäftsmodellen am Gemeinwohl orientieren.

Abgeschottet und alleingelassen — 70

Jüdisches Leben in Deutschland hat eine lange Geschichte. Der schwelende Antisemitismus aber ist allgegenwärtig und eine Bedrohung. Ein Gespräch mit Jo Frank über politische Plattitüden, Polizei vor Synagogen und fehlenden Schutz.

Sisterhood — 76

Achan Malonda ist politische Künstlerin und Aktivistin gegen Rassismus, für queerfeministische und intersektionale Awareness. Musikalisch schwebt sie zwischen Pop, Elektrobeats und klassischem Chanson. Für Veto schreibt sie die Kolumne

Gläserner Elfenbeinturm — 78

Wissenschaft ist in Pandemiezeiten gefragter denn je – und wird zunehmend besser darin, verständlich zu kommunizieren und sich zu öffnen.

Wer bin ich – und wieviele? — 82

Gäbe es einen Diversitätshighscore, Gianni Jovanovic läge ziemlich weit vorne. Jovanovic ist schwul, Rom und Aktivist. Doch den Mann auf seine Identitäten festzulegen, ist zu kurz gegriffen.

Stellvertreter — 86

Als erster Geflüchteter wollte Tareq Alaows in den Bundestag einziehen. Doch nach massiven Bedrohungen zog er seine viel beachtete Kandidatur zurück. Für Shoan Vaisi wurde das zum Weckruf. Er könnte nun das schaffen, was der Hass Alaows verwehrte. Eine besondere Begegnung und ein Gespräch über Repräsentation und ehrliche Asylpolitik.

Revolution — 94

Für seine provokante Kombination aus Rap-Ästhetik und Punkrock-Attitüde erntet der Hamburger Musiker Swiss regelmäßig Jubelstürme – und Kritik. Auch aus der linken Szene, zu der er sich zählt. Unbeirrt wirbt er weiter für ein liebevolles Miteinander, um besonders Jüngere zu begeistern – mit Lust an der Konfrontation und Freude am Experiment.

Veto ist das neue Print-Magazin, das die Engagierten im Land in den Fokus der Berichterstattung rückt. Veto ist ein gedrucktes Heft, aber auch eine Plattform für all jene, die sich auf den Weg gemacht haben, unsere offene Gesellschaft zu verteidigen. Viermal im Jahr und jeweils auf 100 Seiten stellen wir Engagierte, deren Arbeit, Aktionen, Ideale vor – und regen Debatten an. Die Botschaft an alle Gleichgesinnten: Ihr seid nicht allein!