Gedruckt

Neues Jahr, neue Ausgabe – die neunte schon. Wow! Optisch haben wir ein bisschen was verändert. Auch inhaltlich gibt es Neues zu entdecken: unsere Utopie-Geschichte, ab sofort in jeder Ausgabe. Und statt den schicken Quartettkarten gibt es in diesem Jahr Aufkleber, mit denen sich die Straßen verschönern lassen.

Dariush Beigui ist ein auffälliger Typ: großgewachsen, kräftig, ganzkörpertätowiert, Irokesenfrisur. Der Mittvierziger arbeitet in Hamburg als Hafenschiffer, steuert ein mit Diesel befülltes Tankboot durch die schwachen Wellen der Elbe. Ein stürmischer Früh-Frühlingstag in der Hansestadt: Am Horizont schillert die Sonne in der hellblau-silbernen Fassade der Elbphilharmonie. Nur langsam schiebt sich das Schiff durch die engen Kanäle. Beigui lacht viel. Dabei läuft in Italien ein Prozess gegen ihn, weil er als Kapitän Menschen im Mittelmeer rettet.

Humanhavarie — 12

Wenn Dariush Beigui Urlaub hat, rettet er Menschen im Mittelmeer. Der Binnenschiffer ist Kapitän und oft als erster am Schlauchboot. Manchmal kann er nur noch Leichen bergen. Nun drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft.

Botschafterin — 22

Natalie Dedreux hat das Down-Syndrom – und fürchtet, dass es bald weniger Menschen wie sie geben könnte. Sie will verhindern, dass Krankenkassen die Kosten für den Bluttest zur Früherkennung von Trisomie 21 übernehmen.

Verantwortung — 28

Sookee ist queerfeministische Antifaschistin, Musikerin und Mutter. Sie ist Fan von gegenseitiger Sichtbarmachung und Rotationsprinzipien. Mit ihrem Kindermusikprojekt „Sukini” kümmert sie sich vor allem um die jungen Ohren in der Gesellschaft. Für Veto schreibt sie die Kolumne

Nackt im Netz — 30

“Es sind Sachen von dir im Internet, die da nicht sein sollten.” Dieser Satz reißt Anna binnen Sekunden den Boden unter den Füßen weg. Sie erfährt aus dem Nichts, dass ihre Intimsphäre öffentlich ist. Aber aus Panik wird Aktivismus. Ein Blick zurück – und voraus.

Diktatur und Exil — 36

Fast 40 Jahre lang drehte Şehbal Şenyurt Arınlı Filme und schrieb Berichte über die politische Reali- tät ihrer Heimat, der Türkei. Nach ihrer zweiten Inhaftierung musste sie das Land verlassen. Heute lebt und schreibt sie in Mittelfranken.

Was wäre wenn — 42

Sie gehört zum Leben eines jeden Menschen im Land: die Schule. Heranwachsende müssen sie durchlaufen, so will es die seit etwa 200 Jahren existierende Schulpflicht. Zurzeit werden an deutschen Schulen rund 8,4 Millionen Kinder und Jugendliche unterrichtet. Doch das System steckt in der Krise.

Unser Haus — 48

Ungewollt ist das sächsische Ostritz mit Neonazi-Events bekannt geworden. Josefine Johne und Bastien Eifler stellen sich gegen dieses mediale Bild ihrer Heimat und schaffen mit einem Alternativen Zentrum kreative Freiräume.

Ich kleb’ auf — 54

Sticker gehen immer, haben wir gedacht. Aber nicht irgendwelche! Wer durch die Straßen unserer Städte und Dörfer schlendert, trifft zwangsläufig überall auf Laternenmasten und Verkehrsschilder. So viel kaltes Metall braucht eine Schönheitskur. Was du tun sollst? Trenn den Stickerbogen aus dem Heft und mach dich auf den Weg: deine Stadt, deine Botschaften. Aber glaub bloß nicht, dass es das schon gewesen ist. Aufkleber gibt es in diesem Jahr nämlich in allen vier Ausgaben, gestaltet von unterschiedlichen Kreativen. Den Anfang macht die wunderbare Lea Hillerzeder alias Slinga.

Armut, Aufstieg, Angriffe — 58

Sarah-Lee Heinrich gehört zu den lautesten Stimmen im Kampf gegen soziale Ungleichheit. Das hat Konsequenzen: 2021 wurde die Bundessprecherin der Grünen Jugend Opfer eines orchestrierten Shitstorms von Rechtsaußen. In Deckung geht sie nach solchen Attacken allerdings nicht.

Legendär — 62

Dirk Jora alias Diggen singt nicht mehr bei Slime – verstummt ist er deshalb nicht. Das Urgestein des politischen Punk hat eine neue musikalische Heimat gefunden und plant Neues. Ein Besuch auf St. Pauli.

Vergessen — 70

Prekäre Arbeitsbedingungen, Anfeindungen und Gewalt gehören zum Alltag vieler Sexarbeitenden in Deutschland. Trans Personen sind davon besonders betroffen. Ein nächtlicher Streifzug mit Caspar Tate.

Müllblind — 76

Seine achtjährige Tochter brachte Stephan von Orlow ins Grübeln – über die Abfälle auf dem Boden. Ein Pfandsystem für Zigarettenfilter soll aber nur der Anfang sein. Von Orlows Utopie: die müllfreie Gesellschaft.

#Heimatliebe — 80

Die Narrative der “Neuen Rechten” spielerisch durchschauen, ihre Codes in sozialen Netzwerken erkennen – das ist die Idee des Handyspiels “Loulu”. Wie Co-Entwickler Caspar Weimann Theater in digitale Räume bringt.

Blaxpertise — 86

Achan Malonda ist politische Künstlerin und Aktivistin gegen Rassismus, für queerfeministische und intersektionale Awareness. Musikalisch schwebt sie zwischen Pop, Elektrobeats und klassischem Chanson. Für Veto schreibt sie die Kolumne

Wohnzimmer im Freien — 88

Die Hälfte des deutschen Waldes ist in privater Hand. Doch Schädlinge und Hitzewellen lassen die weiten grünen Flächen kahler werden. Auf staatliche Hilfen wollen sie im Sauerland nicht warten. Die Geschwister Lisa und Timo Gelzhäuser bauen aus ihrem Schadholz Tiny Houses. Sie setzen auf einen Trend, der das Leben im Eigenheim verändern soll.

Störsignale aus dem Untergrund — 96

Lena Stoehrfaktor rebelliert gegen die männlich dominierte Deutschrapszene. Weil sie ihre geplante Tour coronabedingt absagen musste, baut sie ein queeres Jugendzentrum in Berlin-Neukölln mit auf.

Veto ist das neue Print-Magazin, das die Engagierten im Land in den Fokus der Berichterstattung rückt. Veto ist ein gedrucktes Heft, aber auch eine Plattform für all jene, die sich auf den Weg gemacht haben, unsere offene Gesellschaft zu verteidigen. Viermal im Jahr und jeweils auf 100 Seiten stellen wir Engagierte, deren Arbeit, Aktionen, Ideale vor – und regen Debatten an. Die Botschaft an alle Gleichgesinnten: Ihr seid nicht allein!